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Leitmerkmalmethode zur Beurteilung von Heben, Halten, Tragen

Hinweise für die Anwendung dieser Methode

Die Beurteilung erfolgt grundsätzlich für Teiltätigkeiten und ist auf einen auf einen Arbeitstag zu beziehen. Wenn sich Gewichte von Lasten und/oder Körperhaltungen innerhalb einer bestimmten Tätigkeit ändern, sind Mittelwerte zu bilden. Treten innerhalb einer Gesamttätigkeit mehrere Teiltätigkeiten mit deutlich unterschiedlichen Lastenhandhabungen auf, sind diese getrennt einzuschätzen und zu dokumentieren.

Zur Beurteilung sind 3 Schritte erforderlich:

1. Bestimmung der Zeitwichtung,
2. Bestimmung der Wichtungen der Leitmerkmale sowie
3. Bewertung

Bei der Bestimmung der Wichtungen ist grundsätzlich die Bildung von Zwischenstufen (Interpolation) erlaubt. Eine Häufigkeit von 40 Lastenhandhabungen führt beispielsweise zu einer Zeitwichtung von 3. Einzige Ausnahme ist die wirksame Last von gleich oder mehr als 40 kg für den Mann und 25 kg für die Frau. Diese Lasten ergeben kompromisslos eine Lastwichtung von 25.

Das Arbeitsblatt für die Leitmerkmalmethode für Tätigkeiten mit Heben, Halten, Tragen, kann hier heruntergeladen werden:
Interaktives Arbeitsblatt für Tätigkeiten mit Heben, Halten, Tragen (PDF-Datei, 237 kB)
Dieses interaktive Arbeitsblatt ermöglicht das Ausfüllen am Computer und errechnet automatisch den tätigkeitsbezogenen Risikowert. Das Ergebnis kann dann im Computer gespeichert werden.

Weitere nützliche Dokumente zu dieser Methode:

Ausdruckbares Arbeitsblatt für Tätigkeiten mit Heben, Halten, Tragen (PDF-Datei, 214 kB)
Dieses Arbeitsblatt dient zur Nutzung ohne Computer und wird handschriftlich ausgefüllt.

Hinweise für die praktische Anwendung finden sich z.B. in den Lern- und Lehrmodulen des Rückenkompass. Diese bieten nützliche Informationen für den Einsatz der Leitmerkmalmethoden in der Praxis, geben Beispiele für die Beurteilung und Antworten auf häufig gestellte Fragen.

Achtung!
Dieses Verfahren dient der orientierenden Beurteilung der Arbeitsbedingungen beim Heben, Halten oder Tragen von Lasten. Trotzdem sind bei der Bestimmung der Zeitwichtung ebenso wie der Wichtungen für Last, Körperhaltung und Ausführungsbedingungen gute Kenntnisse der zu beurteilenden Teiltätigkeit unbedingte Voraussetzung. Sind diese Kenntnisse nicht vorhanden, darf keine Bewertung vorgenommen werden. Grobe Schätzungen oder Vermutungen führen zu falschen Ergebnissen.

1. Schritt: Bestimmung der Zeitwichtung


Die Bestimmung der Zeitwichtung erfolgt anhand der entsprechenden Tabelle des Arbeitsblattes getrennt für drei mögliche Formen der Lastenhandhabung:
  • Für die manuelle Handhabung von Lasten, die durch eine regelmäßiges Wiederholen kurzer Hebe-, Absenk- oder Umsetzvorgänge gekennzeichnet ist, ist die Anzahl der Vorgänge bestimmend für die Zeitwichtung.
  • Für die manuelle Handhabung von Lasten, die durch das Halten einer Last gekennzeichnet ist, wird die Gesamtdauer des Haltens zugrunde gelegt (Gesamtdauer = Anzahl der Haltevorgänge x Dauer für einen einzelen Haltevorgang).
  • Für die manuelle Handhabung von Lasten, die durch das Tragen einer Last gekennzeichnet ist, wird der Gesamtweg, der mit der Last zurückgelegt wird, zugrunde gelegt. Dabei wird eine mittlere Geschwindigkeit beim Gehen von 4 km/h ≈ 1 m/s angenommen.

2. Schritt: Bestimmung der Wichtungen von Last, Haltung und Ausführungsbedingungen


2.1 Lastgewicht


  • Die Bestimmung der Lastwichtung erfolgt anhand der entsprechenden Tabelle getrennt für Männer und Frauen.
  • Werden im Verlauf des zu beurteilenden manuellen Lastvorgangs verschiedene Lasten gehandhabt, so kann ein Mittelwert gebildet werden, sofern die größte Einzellast bei Männern 40 kg und bei Frauen 25 kg nicht überschreitet. Zum Vergleich können auch Spitzenlastwerte verwendet werden. Dann muss jedoch die verringerte Häufigkeit dieser Spitzenwerte und nicht die Gesamthäufigkeit zugrunde gelegt werden.
  • Bei Hebe-, Halte-, Trage- und Absetztätigkeiten ist die wirksame Last zugrunde zu legen. Mit der wirksamen Last ist die Gewichtskraft gemeint, die vom Ausführenden zum Bewegen der Last tatsächlich aufzubringen ist. Die Last entspricht daher nicht immer dem Gewicht des Gegenstandes. Wird beispielsweise ein Karton gekippt, wirken nur etwa 50% des Kartongewichtes.
  • Beim Ziehen und Schieben von Lasten ist eine gesonderte Beurteilung erforderlich (siehe Leitmerkmalmethode zur Beurteilung von Ziehen und Schieben).

2.2 Körperhaltung


Die Bestimmung der Körperhaltungswichtung erfolght anhand der Piktogramme in der entsprechenden Tabelle. Es sind die für die einzelne Tätigkeit charakteristischen Körperhaltungen beim Handhaben der Lasten zu verwenden. Werden im Verlaufe der Arbeit unterschiedliche Körperhaltungen eingenommen, kann ein Mittelwert aus den Haltungswichtungen für die zu beurteilende manuelle Lastenhandhabung gebildet werden.

2.3 Arbeitsbedingungen


Zur Bestimmung der Wichtung für die Ausführungsbedingungen sind die zeitlich überwiegenden Ausführungsbedingungen zu verwenden. Gelegentlicher Diskomfort ohne sicherheitstechnische Bedeutung ist nicht zu berücksichtigen. Sicherheitsrelevante Merkmale sind im Textfeld ´Überprüfung des Arbeitsplatzes aus sonstigen Gründen“ zu dokumentieren.

3. Schritt: Bewertung


Die Bewertung jeder Teiltätigkeit erfolgt anhand eines tätigkeitsbezogenen Punktwertes (Berechnung durch Addition der Wichtungen der Leitmerkmale und Multiplikation mit der Zeitwichtung).
  • Bewertungsgrundlage sind biomechanische Wirkungsmechanismen mit Dosismodellen. Hierbei wird berücksichtigt, dass die interne Belastung der Lendenwirbelsäule entscheidend von der Oberkörpervorneigung und dem Lastgewicht abhängt sowie mit steigender Belastungsdauer und/oder Häufigkeit, seitlicher Neigung und/oder Verdrehung zunimmt.

  • Zusammenfassende Bewertungen bei mehreren Handhabungstätigkeiten sind problematisch, da sie über die AUssagefähigkeit dieser orientierenden Analyse hinausgehen. Sie erfordern in der Regel weitergehende arbeitsanalytische Verfahren zur Gefährdungsbeurteilung.

  • Ableitbare Gestaltungsnotwendigkeiten
    Aus dieser Gefährdungsabschätzung sind sofort Gestaltungsnotwendigkeiten und -ansätze erkennbar. Grundsätzlich sind die Ursachen hoher Wichtungen zu beseitigen. Im einzelnen sind das bei hoher Zeitwichtung organisatorische Regelungen, bei hoher Lastwichtung die Reduzierung des Lastgewichtes oder der Einsatz von Hebehilfen und bei hoher Haltungswichtung die Verbesserung der Arbeitsplatzgestaltung.



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Schnelle Links
Richtlinie 90/269/EWG des Rates vom 29. Mai 1990 über die Mindestvorschriften bezüglich der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes bei der manuellen Handhabung von Lasten

Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz

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