Stufe II - Risikoabschätzung auf Prüfungsebene
Dieser Risikowert gibt den Wahrscheinlichkeitsgrad für eine Überbelastung von Muskeln und Skelett wieder
Kenntnisse zu der zu prüfenden Arbeitsaufgabe sind erforderlich. Stabsmitgliedern steht dieses Wissen in den meisten Fällen zur Verfügung. Für Benutzer ohne diesen Kenntnisstand ist im Vorfeld eine Arbeitsstudie durchzuführen.
Die Risikoabschätzung umfasst
- Beschreibung wesentlicher Aufgabenanforderungen und Arbeitsbedingungen sowie
- die Quantifizierung von Belastungsstufen mittels einer Risikobewertung.
Dieser Risikowert gibt den Wahrscheinlichkeitsgrad für eine Überbelastung von Muskeln und Skelett wieder. Je höher der Wert liegt, umso größer das Risiko. Die Wahrscheinlichkeit einer Überbelastung des Muskel-Skelett-Systems bezieht sich auf gesunde und normal trainierte Arbeitnehmer.
Der Anwender hat die Möglichkeit, sich zwischen zwei in Europa genutzten Instrumenten zu entscheiden, diese sind:
Aus Qualitätsgründen sind die jeweils angegebenen besonderen Anweisungen für beide Instrumente (KIM und MAC) genau einzuhalten.
Ziele
- Beschreibung wesentlicher Aufgabenerfordernisse und Arbeitsbedingungen
- Quantifizierung der Belastungsstufe
- Objektive Risikoabschätzung – Ermittlung eines Risikoergebnisses
- Angabe von Interventionspunkten (Neuplanung und/oder ärztliche Betreuung)
Benutzerbestand ansprechen, Vorbedingungen für die Anwendung
- Gute Kenntnisse der zu prüfenden Tätigkeit
- Grundkenntnisse im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheit
- keine besondere ergonomischer Ausbildung
- gesunder Menschenverstand
Aufwand
Wenn ausreichende Informationen und Kenntnisse zum Aufgabenbereich vorliegen, lediglich einige Minuten.
Sind die Informationen unzureichend, ist zunächst eine Arbeits- und Bewegungsstudie durchzuführen. In diesem Fall hängt der Aufwand von Komplexität der Aufgabe, Wiederholungsrate und Arbeitsbedingungen ab. Im Durchschnitt beträgt die Zeit etwa 20 Minuten.
Instrumente
Für die Risikoabschätzung auf Prüfungsebene stehen zwei anerkannte Verfahren zur Verfügung:
Leitmerkmalmethode - Key Indicator Method (KIM) oder
Manual Handling Assessment Chart (MAC)
Beide Verfahren
- wurden speziell in Bezug auf die Richtlinie des Rates zur Manuellen Handhabung von Lasten entwickelt,
- basieren auf biomechanischen, physiologischen und psychophysiologischen Grundlagen,
- wurden im Hinblick auf Gültigkeit und Zuverlässigkeit getestet,
- werden schon seit mehreren Jahren eingesetzt,
Beide Verfahren führen zu vergleichbaren Ergebnissen.
Beide Verfahren werden zur einschränkenden Risikoabschätzung genutzt und nicht für die Messung von Belastung und Anstrengung eines kompletten Arbeitstages oder Arbeitslebens. Bei großer Komplexität oder regelmäßigem Wechsel von Aufgaben sind die Verfahren nicht oder nur begrenzt einsetzbar.
Anmerkungen
Risikoabschätzung auf Prüfungsebene umschreibt Themen wie körperliche Arbeitsbelastung, weist Grenzbereiche aus und gibt Hinweise auf Maßnahmen.
Grundsatz: Wichtige Aufgabenbereiche werden mittels einer Messskala klassifiziert und über eine Risikobewertung überwacht.
Analog zu
Stufe I werden verschiedene MHL-Belastungsfaktoren in Betracht gezogen:
- Biomechanische Beanspruchung von Knochen, Gelenken und Muskeln, die auf Muskeleinsatz und eingeschränkte Körperhaltung zurückzuführen ist
- Muskelermüdung als Ergebnis intensiven, häufigen oder andauernden Kraftaufwandes
- Belastung des Herz-Kreislauf-Systems aufgrund hoher körperlicher Belastung
- Erschwernisse aufgrund von Eigenschaften der Last (sperrig, glitschig, übergroß)
- Unfallgefahr aufgrund von Eigenschaften der Last (sehr schwer, heiß, scharf, beweglich)
- Unfallgefahr aufgrund von Eigenschaften der Arbeitsumgebung (Fußboden uneben oder glatt, eingeschränkte Bewilligungsbereich für Arbeitnehmer, Hindernisse, unzureichende Beleuchtung)
Der Risikowert gibt den Wahrscheinlichkeitsgrad für eine Überlastung von Muskeln und Skelett wieder. Je höher der Wert liegt, umso größer das Risiko. Die Wahrscheinlichkeit einer Überbelastung des Muskel-Skelett-Systems bezieht sich auf eine große Anzahl gesunder und normal trainierter Arbeitnehmer. Zur Bewertung des individuellen Risikos eines einzelnen Arbeitnehmers sind weitere Faktoren zu berücksichtigen. Für den Arbeitnehmer besteht ein Risiko, wenn er/sie:
- körperlich nicht in der Lage ist, die betreffende Aufgabe durchzuführen,
- ungeeignete Bekleidung oder Schuhe trägt oder andere persönliche Einschränkungen vorliegen,
- nicht über adäquates oder geeignetes Wissen oder die entsprechende Ausbildung verfügt.
Mit dem Ziel einer multifaktoralen Analyse kann gleichzeitig ein Bezug zu den verschiedenen, in Anlage I und II aufgeführten Aspekten hergestellt werden.
Empfehlungen für Anwender
Die exakte Bewertung der Eingangsdaten ist theoretisch möglich. In der Praxis lassen sich einige Merkmale einfach messen, andere wiederum sind nicht messbar. Das Gewicht der Last beispielsweise lässt sich mit einer Federwaage ermitteln, die Zahl der Handlungen kann gezählt werden. Kompliziert und teuer jedoch ist die Ermittlung der Aktionskraft, des Reibungswiderstands oder der Körperhaltungen.
Um ein gleichwertiges Niveau der Genauigkeit zu gewährleisten, wird das Prinzip der berechneten Unschärfe verwendet: Sämtliche Merkmale werden mittels spezifischer Messskalen eingeteilt, von einem Mindestwert bis zu einem Höchstwert. Hierdurch ist auf Prüfungsniveau eine ausreichende Exaktheit sichergestellt.
Bei der Interpretation des Risikowertes ist diese beschränkte Exaktheit zu berücksichtigen. Schwerpunkte sind Einschränkungen und Risikobereiche - nicht der einzelne Risikowert. Auf diese Art und Weise stehen für die meisten Aufgabenbereiche ausreichende Risikoabschätzungen zur Verfügung. In manchen Fällen gelingt eine Risikoabschätzung auf diesem Niveau nicht. Hier bieten sich zwei Möglichkeiten:
- Liegen eine unklare Situation oder nicht akzeptable Ergebnisse vor, sind weitere Informationen wie subjektive Einschätzung der Arbeitsbelastung durch die Betroffenen oder Beschwerden einzubeziehen, zu diskutieren und gemeinsam zu interpretieren.
- Werden eine höhere Exaktheit und eine detaillierte Risikobewertung benötigt, ist eine differenzierte Analyse in Übereinstimmung mit Stufe III durchzuführen.
Zur Fehlervermeidung sind alle Ergebnisse kritisch auszuwerten. Die Resultate sollten mit der Erfahrung, der subjektiven, vom Arbeitnehmer empfundenen Belastung mit oder ohne Einzelheiten zu Beschwerden verglichen werden.
Wird eine Risikoabschätzung auf Prüfungsebene durchgeführt, besteht die Möglichkeit einer fehlerhaften Beurteilung oder fälschlichen Interpretation. Potentielle Fehlerquellen können unzureichende Kenntnisse der zu bewertenden Tätigkeit, subjektive Fehlinterpretationen, inkorrekte Eingabedaten oder Rechenfehler sein.